Die Kurden – nach Schätzungen weltweit zwischen 30 und 45 Millionen Menschen – sind das größte Volk der Welt ohne eigenen Staat. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich über vier Staaten – Türkei, Iran, Irak und Syrien –, weitere rund zwei Millionen Kurdinnen und Kurden leben in Europa, davon etwa 1,3 Millionen in Deutschland, viele bereits in zweiter und dritter Generation.
Aus jahrelanger Zusammenarbeit mit kurdischen Verbänden in Deutschland lässt sich sagen: Ihnen ist ihre kurdische Herkunft wichtig, zugleich verstehen sie sich als Deutsche und Europäer – und haben sich dabei als verlässliche Partner für Demokratie, Minderheitenrechte, Religionsfreiheit und Gleichberechtigung erwiesen. Diese Zusammenarbeit reicht weit zurück: Bereits am 14. Dezember 2015 hielt der Autor an der Goethe-Universität Frankfurt vor rund 300 Gästen den Festvortrag zur Gründung der Deutsch-Kurdischen Juristenvereinigung e.V. und forderte dort das Selbstbestimmungsrecht der Kurden ein.
Seine Beschäftigung mit der kurdischen Frage reicht noch weiter zurück und ist zugleich wissenschaftlich und persönlich geprägt: Er befasst sich wissenschaftlich mit dem Thema und steht im ständigen Gespräch mit Kurdinnen und Kurden in Deutschland sowie aus allen kurdisch besiedelten Gebieten. Bereits 1985 veröffentlichte sein Verlag für Kultur und Wissenschaft die „Kurdische Grammatik“, seither sind dort zahlreiche weitere Bücher von und über Kurden erschienen, und er selbst hat dazu eigene Artikel veröffentlicht.
Im Nordirak hat sich die Autonome Region Kurdistan (KRG) seit dem Sturz Saddam Husseins 2003 zu einem der stabilsten demokratischen Gebilde im Nahen Osten entwickelt. Das im Folgenden konsolidierte Argument stützt sich auf neun Punkte: demokratische Legitimation, die Aktualität der Frage, die systematische Nichtumsetzung der irakischen Verfassung, die Schutzfunktion für Minderheiten, die Rolle als Partner Europas, das Völkerrecht der Selbstbestimmung, die Grenzfrage, internationale Stimmen der Unterstützung, die kurdische Diaspora – und, in aller Offenheit, die noch ungeklärte Position der kurdischen Regierung selbst.