International Institute for Religious Freedom

Zwischen Glauben und Überleben

IIRF Reports Vol. 15 – 2026/16: Kubas Lutheraner stehen vor einer Grenzsituation

Auf der kubanischen Isla de la Juventud im Süden Kubas ist eine kleine, über hundert Jahre alte Kirche erhalten. Es handelt sich um die Evangelisch-Lutherische Kirche von Cocodrilo (zu deutsch „Krokodil“), die vor etwa 120 Jahren von einer Handvoll „Alligatoren-Christen“ (s. u.) und einem deutschen Ehepaar errichtet wurde. Es ist das älteste Überbleibsel einer Gemeinschaft, die es verstanden hat, inmitten der Isolation zu überleben und zu wachsen.

Heute zählt die Vereinigte Evangelische Kirche – Lutherische Synode (IEU-SL), zu der auch die Lutheraner in Cocodrilo gehören, etwa 1.500 Mitglieder, die auf elf Gemeinden in sieben Provinzen verteilt sind. Von ihren Anfängen im Zusammenhang mit der amerikanischen Missouri-Synode bis zu ihrem Eintritt in den Lutherischen Weltbund im Jahr 2018 haben die kubanischen Lutheraner ein Modell einer zugleich traditionsorientierten, aber auch der Moderne zugewandten Kirche entwickelt, die tief in die soziale Begleitung der Bedürftigen involviert ist. Diese Arbeit stieß jedoch oft auf den Widerstand durch die jede Initiative erstickende Kommandowirtschaft und eines feindseligen staatlichen Umfelds, in dem Religionsfreiheit, obwohl sie auf dem Papier garantiert ist, nicht in reales Handeln umgesetzt wird. Hilfe im Sinne tätiger Nächstenliebe wird von Repräsentanten des Staates oft mit Argwohn betrachtet und als unerwünschte Konkurrenz abgewürgt.

Scroll to Top